Tarifvertrag logistik nordrhein-westfalen

Die Arbeiten in den Zentren im hessischen Bad Hersfeld, in Koblenz in Rheinland-Pfalz, in Rheinberg und in Werne in Nordrhein-Westfalen sowie in Leipzig wurden laut Verdi eingestellt. Die Nachrichten über das Ausmaß der Arbeitnehmerbeteiligung am Streik gehen auseinander, so dpa. Aus Sicht der Arbeitnehmer ist die Frage der flexiblen Arbeitszeitregelungen durch die Verwendung von Arbeitszeitkonten jedoch eher zweideutig. Einerseits gibt es die Möglichkeit einer individuelleren “Zeitsouveränität”, andererseits besteht die Gefahr einer Unterordnung unter die Flexibilitätsforderungen des Unternehmens. In Bezug auf letztere sieht die WSI-Studie die Notwendigkeit weiterer Verbesserungen bei den Tarifverträgen, um einen akzeptablen Kompromiss zu definieren. (Thorsten Schulten, Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WSI)) Laut der WSI-Studie orientiert sich das vorherrschende Arbeitszeitkontomodell eher an einer flexiblen Anpassung an kurz- und mittelfristige Veränderungen der Marktsituation. Obwohl die meisten Tarifverträge eine allgemeine Absichtserklärung zur Verbesserung flexibler Arbeitszeitmöglichkeiten im Interesse der Arbeitnehmer enthalten, wird die Verwendung von Arbeitszeitkonten in Wirklichkeit in erster Linie von den Bedürfnissen der Unternehmen beeinflusst. Tarifierte Bestimmungen über Arbeitszeitkonten sollen daher auch die Arbeitnehmer vor einer einseitigen Unterordnung unter die Flexibilitätsforderungen der Arbeitgeber schützen, heißt es in dem Bericht. Beispielsweise könnte die Festlegung von Grenzwerten für Arbeitszeitkonten als eine Art Schutz vor einer übermäßigen Verlängerung der individuellen Arbeitszeit interpretiert werden.

Andererseits könnte ein umfangreicheres Arbeitszeitkonto auch im Interesse der Arbeitnehmer liegen, die eine längere Flexibilität bevorzugen könnten. Die WSI-Studie, die auf einer Bewertung von Tarifverträgen in rund 60 Tarifeinheiten basiert, kommt zu dem Ergebnis, dass es kein einheitliches Modell eines Arbeitszeitkontos gibt. Im Gegenteil, die Möglichkeiten und Beschränkungen der Verwendung von Arbeitszeitkonten sind von Sektor zu Sektor sehr unterschiedlich. Darüber hinaus müssen tarifliche Bestimmungen in der Regel auf Betriebsebene durch Abschluss einer Betriebsvereinbarung übernommen werden. Seit Mitte der 80er Jahre ist die Entwicklung der tariflichen Arbeitszeit in Deutschland vor allem das Ergebnis eines Kompromisses zwischen den Forderungen der Gewerkschaften nach kürzerer Arbeitszeit und der Forderung der Arbeitgeber nach mehr Arbeitszeitflexibilität. Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, ist die durchschnittliche Jahresarbeitszeit in Westdeutschland in den letzten zehn Jahren von 1.732 stunden im Jahre 1987 auf 1.644 Stunden im Jahr 1997 um etwa 88 Stunden zurückgegangen.

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